Pressemitteilung

23.04.2020

Wir trauern um Hartwig Gauder

Am 22. April ist unser Vereinsgründer und Vorstandsvorsitzender Hartwig Gauder verstorben. Wir sind tieftraurig. Ein Nachruf:

50 Kilometer Gehen! Was für eine Energieleistung! Die gleiche Kraft, die er in seiner sportlichen Karriere – Olympiasieger, Weltmeister, Europameister – an den Tag legte, stellte Hartwig Gauder als Patient unter Beweis. Zehn Monate Kunstherz! Was für eine Marter. Nach seiner Herztransplantation am 30. Januar 1997 stieg er gewissermaßen erneut auf den Olymp – und 2003 auf „seinen“ Berg, den Fuji in Japan. Hartwig Gauder zeigte weiter Ausdauerleistungen, auch den New York Marathon hat er mit seinem dritten Herzen, wie er das ihm geschenkte Organ nannte, absolviert. All seine sportlichen Leistungen sind zutiefst bewundernswert, doch Hartwig Gauder erbrachte noch auf einem weiteren Gebiet eine Lebensleistung: in der Hilfe für andere Menschen.

Hartwig Gauder war 1998 zusammen mit Hans Wilhelm Gäb der Gründer von Sportler für Organspende e.V., er gehörte seitdem zum Vorstand des Vereins und war seit dem vergangenen Jahr dessen Vorsitzender. Zusammen mit mehr als 100 weiteren Olympiasiegern und Sportlegenden rief dieses durch das gerettete Leben eng verbundene Duo – der lebertransplantierte frühere Opel-Aufsichtsrats- und Sporthilfe-Vorsitzende und das herztransplantierte Mitglied der „Hall of Fame des deutschen Sports“ – im Jahr 2004 die Kinderhilfe Organtransplantation e.V., KiO, ins Leben. Ohne
Hartwig Gauder wären die beiden Hilfevereine nicht denkbar gewesen. Seine Ideen, seine Reden, seine Beziehungen – Hartwig Gauder stand für beide Säulen unserer Vereinsarbeit: für die geleistete Hilfe und für die Kärrnerarbeit des Spendensammelns. Und Gesundheit war sein Thema: Er half der Walkingbewegung in Deutschland und in Japan auf die Sprünge, er engagierte sich für die Sepsis-Hilfe und er war Ständiger Gast im Stiftungsgrat der Deutschen Stiftung Organtransplantation.

Hartwig Gauder half aber nicht nur im Großen, auch im Kleinen, völlig unbemerkt: Regelmäßig sprach er auf Bitten von Ärzten den Patienten auf der Warteliste für eine Transplantation Mut zu. Ging es Freunden irgendwo auf der Welt schlecht, erkundigte er sich regelmäßig, selbst als internationales Telefonieren noch teuer war.

Hartwig Gauder schöpfte viel Kraft aus der Motivation, seine Familie nicht zu enttäuschen, wie er in einem seiner letzten Interviews sagte. Seine Frau, sein Sohn und sein Enkelkind waren alles für ihn. Seit vier Jahren war er auf die Dialyse angewiesen. Die Medikamente, die verhindern, dass sein Immunsystem das transplantierte Herz abstößt, gingen auf die Nieren. Wieder eine harte Zeit mit Klinikaufenthalten, Schmerzen, großen Einschränkungen im Leben. Der Kämpfer für das Leben ließ sich wenig davon anmerken, nur selten Termine ausfallen. Zuletzt durfte er Hoffnung schöpfen auf eine Nierentransplantation. „Fürchte dich nicht, ganz langsam zu gehen“, wollten wir ihm zurufen. Er konnte die leichte Abwandlung seines Lebensmottos nicht mehr hören. Nach einem Infarkt hörte sein drittes Herz am 22. April auf zu schlagen.

Hartwig Gauders letzte große Idee war ein medizinisches Symposium für die Belange organkranker Kinder. Vielleicht kann es nach Corona Wirklichkeit werden.

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