Die Geschichte von Stephan

16. Januar, 2013

Stephan Walker, 22, ist Organspender. Er verunglückt und stirbt. Die Familie ruft zu Spenden für unseren Verein auf – ein tragischer Tod, der doch etwas Gutes bewirkt. Stephans Bruder und die Familie erzählen das letzte Kapitel seiner Geschichte.

  Mein Bruder Stephan Walker ist vor einigen Wochen im Alter von gerade einmal 22 Jahren auf Key West tödlich verunglückt. Die Nachricht seines Todes hat unsere Familie, seine Freunde, Bekannte, Wegbegleiter und Kollegen der Berliner Polizei tief schockiert. Er war ein topfitter, sportlicher Polizist und ist dennoch in einem Hotelpool während seines Floridaurlaubs ertrunken. Dort genoss er zusammen mit unserem Vater Thomas Walker, selbst Hauptkommissar bei der Berliner Polizei, und unserer Stiefmutter einen sehr erholsamen, vierwöchigen Urlaub in seiner zweiten Heimat. Zusammen mit unserer Mutter, Susanne Walker, haben wir hier zwischen 2000 und 2002 zwei Jahre lang gelebt.

 

Am 11. November 2012 erlosch das Licht seines Lebens. Er verstarb viel zu früh. Viel zu jung. Und einer seiner größten Wünsche blieb unerfüllt. Stephan hatte Vorkehrungen für die Eventualität seines Ablebens getroffen. Er trug stets zwei Organspendeausweise bei sich. Seine Organe wollte er spenden, um anderen Menschen das Leben zu retten. Er war jung, kräftig und kerngesund.

 

Dr. Frank Fernandes, der diensthabende Arzt am Abend des 11. Novembers im Monroe County Medical Office, bat meinen Vater darum, mit Stephans Organen anderen Menschen das Leben zu retten. Er erinnerte sich an die vielen Gespräche der vergangenen Wochen mit seinem Sohn. Während der allabendlichen Strandspaziergänge sprachen sie auch über das Thema Organspende. Mein Vater gab Dr. Fernandes instinktiv grünes Licht.

 

Doch bedauernswerter Weise stellte sich heraus, dass ein stupides, amerikanisches Gesetz das Spenden von Organen derer verbietet, die sich zur Zeit der Maul- und Klauenseuche Anfang der Jahrtausendwende in Europa aufhielten. Stephan starb am falschen Ort. Seine gesunden Organe hätten vielen todkranken Menschen neues Leben geschenkt. Sein Wunsch wurde nicht erhört. Er ist an der absurden amerikanischen Legislative zerschellt.

 

Für mich und meine Familie hinterlässt dieses Schicksal einen herben Beigeschmack. Denn viele von uns wollen Organe spenden, füllen aber nie einen Ausweis aus. Viele von uns würden Organe spenden, doch haben sich nie mit dem Thema auseinandergesetzt. Stephan wollte Organe spenden, doch er durfte nicht.

 

Stephans Kapitel ist am 11. November 2012 zu Ende gegangen. Sein letzter Satz geschrieben. Und doch haben sich viele Menschen im Nachgang seines Todes durch den Spendenaufruf unserer Familie angesprochen gefühlt und sind ihm gefolgt. Insgesamt kamen 2.664 Euro zusammen. Noch viel wichtiger als das Geld ist uns, dass sich sehr viele Menschen mit dem Thema Organspende auseinandergesetzt haben, die dies vorher nicht taten oder sogar dagegen waren. Viele sind über ihren eigenen Schatten gesprungen, und ich zitiere den Vater einer seiner besten Freunde: „Meine Frau und ich waren bisher immer dagegen, doch durch Stephans Tod haben wir uns dazu entschlossen, einen Organspendeausweis auszufüllen.“

 

Stephans tragischer Tod konnte somit etwas Gutes und Positives bewirken. Ein neues Kapitel hat sich Dank des Lebens meines Bruders eröffnet. Wir sind uns sicher, dass das Geld beim Verein Sportler für Organspende in besten Händen ist. Er selbst war ein begnadeter Sportler. Er hatte ein Herz für seine Mitmenschen und für die Organspende. So schließt sich sein Kreis. So kannten wir ihn und so werden wir ihn immer in Erinnerung behalten. Wir möchten uns deshalb bei allen Spendern für die rege Unterstützung in den vergangenen Wochen herzlichst bedanken und vor allem dafür, dass ihm sein letzter Wunsch am Ende doch noch erfüllt wurde.

Philip Walker & Familie

 

 

Die Vereine Sportler für Organspende und Kinderhilfe Organtransplantation danken der Familie für die große Spende und dafür, dass sie bei all ihrer Trauer an die kranken Kinder gedacht haben, die wir betreuen.